Nina Susanna Meißner
Das Wichtigste in Kürze
- Positiver Trend: Viele Unternehmen positionieren sich öffentlich zu Diversität und Inklusion.
- Gleichzeitig erleben LGBTQIA+ Personen im Alltag weiterhin Diskriminierung und Ausgrenzung.
- Sichtbarkeit allein reicht nicht aus. Maßgeblich ist, wie Unternehmenskultur im Alltag tatsächlich gelebt wird.
- Gerade in der IT-Branche wird Diversität zunehmend auch als Faktor für Innovations- und Zukunftsfähigkeit betrachtet.
- Bei Evolit verstehen wir Diversität und Inklusion als Teil professioneller Zusammenarbeit und moderner Unternehmenskultur.
Der Pride Month ist in den vergangenen Jahren deutlich sichtbarer geworden. Unternehmen veröffentlichen Statements, beteiligen sich an Kampagnen oder positionieren sich öffentlich zu Vielfalt und Gleichberechtigung. Gleichzeitig wächst auch die Kritik. Begriffe wie „Pinkwashing” beschreiben den Vorwurf, dass Diversität vor allem kommunikativ sichtbar gemacht wird, ohne entsprechende Rahmenbedingungen tatsächlich im Unternehmen zu verankern.
Auch in technologiegetriebenen Branchen ist diese Diskussion relevant. Denn moderne Softwareentwicklung, Digitalisierung und KI entstehen nicht im luftleeren Raum. Unterschiedliche Perspektiven beeinflussen, wie Probleme analysiert, Entscheidungen getroffen und Systeme entwickelt werden. Diversität ist deshalb nicht nur ein gesellschaftliches Thema, sondern zunehmend auch eine Frage von Arbeitskultur, Innovationsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit.
Diversität und Inklusion sind im Arbeitsalltag hochrelevant
Viele Unternehmen beschäftigen sich heute aktiv mit Diversität und Inklusion. Gleichzeitig zeigen internationale Studien, dass LGBTQIA+ Beschäftigte im Berufsalltag weiterhin nicht überall gleiche Zugehörigkeit und Sicherheit erleben.
Laut dem Deloitte Report LGBT+ Inclusion @ Work 2022, für den 600 LGBTQIA+ Beschäftigte aus 12 Ländern und Territorien befragt wurden:
- 42% der Befragten geben an, gegenüber der Mehrheit ihrer Kolleg:innen nicht offen über ihre sexuelle Orientierung sprechen zu können.
- Weniger als die Hälfte der trans und nicht-binären Befragten fühlt sich im Arbeitsumfeld wohl genug, offen mit ihrer Geschlechtsidentität umzugehen.
- 23% haben bereits nicht inklusives Verhalten am Arbeitsplatz erlebt.
Als Gründe nennen viele mögliche Auswirkungen auf Karriereentwicklung, fehlende Zugehörigkeit oder Sorge vor Benachteiligung.
Gerade im Arbeitsalltag zeigt sich, ob Inklusion tatsächlich mitgedacht wird: Welche Sprache wird verwendet? Welche Perspektiven werden ernst genommen? Wer erhält Sichtbarkeit, Verantwortung und Entwicklungsmöglichkeiten? Unternehmenskultur entsteht nicht durch einzelne Statements, sondern durch tägliche Zusammenarbeit und strukturelle Entscheidungen.
Warum das Thema auch die IT-Branche betrifft
Die Technologiebranche versteht sich als innovationsgetrieben und zukunftsorientiert. Gleichzeitig zeigen internationale Studien seit Jahren, dass Diversität in vielen Bereichen weiterhin ungleich verteilt ist.
McKinsey analysierte dafür Daten von mehr als 1.200 Unternehmen in 23 Ländern. Unternehmen mit hoher Diversität in Führungsteams erzielten dabei signifikant häufiger überdurchschnittliche wirtschaftliche Ergebnisse als weniger diverse Unternehmen.
Solche Ergebnisse bedeuten nicht, dass Diversität automatisch Unternehmen erfolgreicher macht. Sie zeigen jedoch, dass unterschiedliche Perspektiven zunehmend als relevanter Faktor für bessere Entscheidungsprozesse, Innovationsfähigkeit und resiliente Organisationen betrachtet werden.
Gerade in der IT-Branche ist das relevant. Technologien beeinflussen heute zentrale gesellschaftliche Bereiche wie Mobilität, Energieversorgung, öffentliche Verwaltung oder kritische Infrastruktur. Umso wichtiger ist es, unterschiedliche Perspektiven bereits in Entwicklung und Zusammenarbeit mitzudenken.
Pride Month zwischen Haltung und Symbolik
Der Pride Month schafft Aufmerksamkeit für Themen, die im Alltag oft wenig sichtbar sind. Das ist wichtig und gesellschaftlich relevant. Gleichzeitig reicht Sichtbarkeit allein nicht aus. Wenn Diversität ausschließlich rund um Aktionstage kommuniziert wird, gleichzeitig aber strukturelle Fragen zur Unternehmenskultur ausgeblendet bleiben, entsteht schnell der Eindruck symbolischer Kommunikation.
Unternehmen müssen dabei nicht perfekt sein. Wichtiger ist vielmehr, ob Diversität langfristig mitgedacht wird und ob eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Arbeitskultur und Zugehörigkeit stattfindet.
Diversität und Inklusion bei Evolit
Bei Evolit verstehen wir Diversität und Inklusion nicht als kurzfristige Kommunikationsmaßnahme oder einmalige Initiative. Für uns geht es darum, Arbeitsbedingungen zu schaffen, in denen professionelle Zusammenarbeit unabhängig von individuellen Hintergründen möglich ist.
Gleichzeitig wissen wir, dass Unternehmenskultur kein statischer Zustand ist. Sie muss regelmäßig hinterfragt, überprüft und weiterentwickelt werden. Deshalb führen wir bei Evolit jedes Jahr eine anonyme Zufriedenheitsbefragung unter allen Mitarbeitenden durch, unter anderem zu Themen wie Gleichbehandlung, Fairness, Zusammenarbeit und Entwicklungsmöglichkeiten.
Denn über Gleichstellung und Unternehmenskultur zu sprechen ist wichtig, sie messbar zu machen jedoch genauso. In der letzten Befragung haben wir im Bereich Gleichbehandlung und respektvolles Miteinander 92% Zustimmung erreicht.
Ein starkes Ergebnis und für uns gleichzeitig Ansporn, uns kontinuierlich weiterzuentwickeln. Denn nachhaltige Unternehmenskultur entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch regelmäßige Reflexion, strukturiertes Feedback und die Bereitschaft, Prozesse und Zusammenarbeit laufend zu verbessern.
Dabei wissen wir auch, dass unterschiedliche Perspektiven und Erwartungen innerhalb eines Unternehmens nicht immer identisch sind. Gerade deshalb ist es wichtig, regelmäßig Feedback einzuholen, offen über Erfahrungen zu sprechen und bestehende Maßnahmen kritisch zu hinterfragen.
Der Pride Month ist für uns eine Gelegenheit, Haltung sichtbar zu machen und gleichzeitig ehrlich zu reflektieren, wie moderne und inklusive Zusammenarbeit langfristig gestaltet werden kann.
Denn Inklusion zeigt sich nicht in einzelnen Statements oder Symbolen, sondern darin, wie Menschen täglich zusammenarbeiten, gehört werden und sich entfalten können.
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