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Yield Management im ÖBB-Fernverkehr: Wie YETI Preise und Kontingente in Echtzeit steuert

Yield Management im ÖBB-Fernverkehr: Wie YETI Preise und Kontingente in Echtzeit steuert
Julia Rinnhofer

Julia Rinnhofer

· 5 Min. Lesezeit · Mobilität

Das Wichtigste in Kürze

  • YETI ist das Yield-Management-System des ÖBB-Personenverkehrs: Es steuert Ticketpreise, Kontingente und Verfügbarkeiten im Fernverkehr nachfragebasiert und in Echtzeit.
  • Die Erlössteuerung ist regel- und parametergesteuert, nachvollziehbar und tief in die ÖBB-Systemlandschaft integriert – vom Ticketshop bis zu Fahrplan- und Reservierungsdaten.
  • Auch der Nachtverkehr ist Teil der Erlössteuerung: Für den Nightjet steuert YETI Preise und Kontingente über alle Wagentypen hinweg, vom Sitzplatz bis zum Autoreisezug.
  • Evolit begleitet YETI seit der Anforderungsanalyse und verbindet dabei Yield-Management-Know-how mit Bahnfachlichkeit und Systemintegration.

Ist ein Sparschiene-Ticket noch verfügbar? Und wie viel kostet es? Die Antworten darauf sind kein Zufall. Hinter jeder Anfrage im ÖBB-Ticketshop steht ein System, das Auslastung, Kontingente und Preisstufen für jeden einzelnen Zug kennt und in Echtzeit antwortet: YETI, das Yield-Management-System des ÖBB-Personenverkehrs.

Evolit hat dieses System von der ersten Anforderungsanalyse an mitgestaltet und entwickelt es seit 2014 kontinuierlich weiter.

Ausgangslage: Warum Yield Management im Bahnverkehr so komplex ist

Mit der Liberalisierung des Eisenbahnverkehrs hat sich der Wettbewerb im österreichischen Fernverkehr deutlich verschärft. Wer Züge wirtschaftlich betreiben will, muss begrenzte Sitzplatzkapazitäten gezielt einsetzen: über Preisstufen, Kontingente und Vertriebskanäle, abgestimmt auf die tatsächliche Nachfrage. Das bestehende System zur Preissteuerung war dafür zu einfach und zu unflexibel: für ein strategisch wichtiges Produkt wie die Sparschiene ein echtes Problem.

Dazu kommt: Yield Management ist im Bahnverkehr deutlich komplexer, als unterschiedliche Preise auszuspielen. Flügelzüge und Kurswagen, Anschluss- und Kooperationszüge, grenzüberschreitende Relationen mit Erlösaufteilung zwischen den Bahnen, dazu große Mengen an Fahrplan-, Produkt-, Reservierungs- und Kapazitätsdaten. Und ein Ticketshop, der auf jede Anfrage eine konsistente Antwort in Echtzeit erwartet.

Umsetzung: Bahnspezifisches Wissen und Yield-Management-Know-how in einem Team

Die fachlichen Grundlagen für YETI entstanden bereits ab 2010. An der Spezifikation arbeiteten schon damals heutige Mitglieder des Evolit-Teams gemeinsam mit dem Fachbereich Fernverkehr des ÖBB-Personenverkehrs, dem Team des Ticketshops sowie internationalen Partnern und Yield-Management-Expert:innen. 2013 beauftragte die ÖBB Evolit mit der weiteren Umsetzung.

Fachlichkeit zuerst: Expertise in Yield Management und Bahnverkehr

Yield Management im Bahnverkehr verbindet komplexe Erlössteuerung mit den besonderen Anforderungen des Schienenverkehrs. Genau in dieser Schnittstelle liegt die Stärke des Evolit-Teams: tiefes Know-how in Yield Management trifft auf langjährige Erfahrung mit Prozessen, Systemen und fachlichen Zusammenhängen im Bahnverkehr.

Dadurch werden Anforderungen nicht isoliert technisch umgesetzt, sondern im fachlichen Gesamtkontext betrachtet. Das ist besonders bei Änderungen relevant: Neue Produkte, Fahrplananpassungen oder zusätzliche Vertriebslogiken wirken häufig auf mehrere Systembereiche gleichzeitig und müssen fachlich wie technisch konsistent zusammenspielen.

„Mit YETI steuern wir Preise und Kapazitäten im Fernverkehr so, wie es der Markt heute verlangt. Besonders wertvoll ist für uns die langjährige Zusammenarbeit: Das Team kennt unsere Fachlichkeit und unsere Systemlandschaft im Detail.”

Christoph Hinterleitner
Leiter Preis- und Ertragsmanagement, ÖBB-Personenverkehr AG

Nachvollziehbare Preislogik statt Blackbox

YETI beruht auf einer statistischen, regel- und parametergesteuerten Erlössteuerung: Die Preisbildung folgt deterministischen Berechnungslogiken und bleibt damit nachvollziehbar und reproduzierbar. Die Logik muss unterschiedliche Züge, Produkte und Vertriebskanäle ebenso berücksichtigen wie Fahrplanänderungen. Entsprechend aufwändig ist das Testen – Änderungen an einer Regel können sich auf zahlreiche Verbindungen und Verkaufssituationen auswirken.

Architektur für Echtzeit und Systemintegration

Technisch war die Aufgabe klar umrissen: kurze Antwortzeiten und hohe Verfügbarkeit für ein System, über das Erlöse laufen, bei gleichzeitig hoher Datenkonsistenz und horizontaler Skalierung. YETI ist auf Antwortzeiten unter 500 Millisekunden ausgelegt, läuft containerisiert in der Cloud-Infrastruktur der ÖBB und georedundant über zwei Rechenzentren. Caching hält die Antworten auch unter hoher Last schnell.

Gleichzeitig ist YETI tief in die ÖBB-Systemlandschaft integriert: Das System verarbeitet Fahrplan- und Produktdaten, Zugkapazitäten und Reservierungen, kommuniziert mit dem Ticketshop und mit dem Decision-Support-System für die Preisoptimierung und stellt Revenue-Daten für nachgelagerte Systeme bereit.

Für den Fachbereich gibt es zusätzlich ein eigenes Administrationsmodul: eine grafische Oberfläche, über die ein kleiner Kreis von Erlösmanager:innen Kontingente, Produkte und Stammdaten verwaltet.

Das Administrationsmodul von YETI: Kontingente, Produkte und Stammdaten werden über eine grafische Oberfläche verwaltet

Ergebnis: Was YETI heute im ÖBB-Fernverkehr ermöglicht

YETI ist live, läuft im Dauerbetrieb und ist das zentrale System für die Erlössteuerung im ÖBB-Fernverkehr:

Echtzeit-Antworten für den Ticketshop

Bei einer Anfrage aus dem Ticketshop stellt YETI in Echtzeit fest, welche Verfügbarkeiten und Kontingente für einen Zug bestehen und welche Preisstufe für Produkt und Vertriebskanal gilt.

Pricing-Backend der Sparschiene

Als Pricing-Backend der Marke Sparschiene steuert YETI eines der bekanntesten Angebote der ÖBB.

Der Nachtverkehr ist vollständig integriert

Mit dem Nightjet ist der gesamte Nachtverkehr Teil der Erlössteuerung: mit Wagentypen von Sitzplätzen über Liege- und Schlafwagen bis zu Mini Suites und Autoreisezügen und mit internationalen Verbindungen, die zusätzliche fachliche Anforderungen mitbringen.

Ausblick: Vom Softwareprojekt zur langfristigen Produktentwicklung

YETI ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein System, das sich mit dem Fernverkehr weiterentwickelt: Neue Reservierungsprodukte, geänderte Produktdefinitionen oder zusätzliche Anforderungen an die Preisdifferenzierung werden iterativ in regelmäßigen Releases umgesetzt. Aus einem Entwicklungsprojekt ist damit eine langfristige Produktentwicklung entstanden, die neue fachliche und technische Anforderungen laufend in das bestehende System integriert.