Rupesh Ghelani
Das Wichtigste in Kürze
- Ein automatisches Warnsystem warnt Gleisarbeiter:innen spätestens 30 Sekunden vor einem herannahenden Zug – akustisch und optisch.
- Evolit hat die Fachanwendung zur Verwaltung der dafür benötigten Projektierungsdaten von Grund auf als browserbasierte Webanwendung neu entwickelt.
- Durchgängige Versionierung, ein organisationsübergreifendes Rollenmodell und Single Sign-on sorgen für klar geregelte und nachvollziehbare Datenstände.
- Schnittstellen zum Geoinformationssystem und zu einem RFID-Client binden die Anwendung in die bestehende Systemlandschaft des Bahninfrastrukturbetreibers ein.
Wo an Bahnstrecken gearbeitet wird, fahren weiter Züge. Damit das sicher möglich ist, warnt ein automatisches Warnsystem die Arbeitstrupps spätestens 30 Sekunden vor Eintreffen eines Zuges, akustisch und optisch. Verlässlich funktioniert das nur, wenn die Daten hinter dem System stimmen: Welche Warnsektoren gibt es, welche IDs haben sie, welcher Stand ist freigegeben?
Die von Evolit entwickelte Anwendung löst diese Warnung nicht selbst aus. Ihre Aufgabe liegt eine Ebene davor: Sie verwaltet und versioniert die Projektierungs- und Konfigurationsdaten, die das Warnsystem dafür benötigt.
Ausgangslage: Ein bewährtes System auf einer technischen Basis von 2012
Die Anforderungen an die Daten des Warnsystems sind hoch. Die IDs der Warnsektoren müssen korrekt sein, jede Änderung nachvollziehbar: Entwurfsstände, Freigabestände und historische Stände sind sauber auseinanderzuhalten. Und es arbeitet nicht nur eine Organisation mit dem System: Neben dem Infrastrukturbetreiber selbst nutzen es auch die Projektant:innen einer Signalbaufirma – mit jeweils eigenen Rollen und Rechten.
Nach mehr als einem Jahrzehnt im Einsatz sollte deshalb nicht die Fachlogik neu erfunden, sondern die technische Basis modernisiert werden: browserbasiert, langfristig wartbar und angebunden an das zentrale Identity- und Accessmanagement des Betreibers.
Umsetzung: Fachlogik erhalten, Anwendung neu entwickeln

Grundlage der Neuentwicklung war ein gemeinsam abgestimmtes, signiertes Lastenheft. Entwickelt wurde iterativ: Rückmeldungen kamen über den Hauptansprechpartner des Kunden oder direkt als Tickets ins Projektsystem – kurze Wege, schnelle Klärung.
Eine wesentliche Aufgabe bestand darin, die bestehende Fachlogik vollständig in die neue Anwendung zu übertragen und zugleich Strukturen zu schaffen, die Versionierung, Berechtigungen und Schnittstellen konsistent abbilden.
Zwei Organisationen, ein Rollenmodell
Die Anwendung bildet mehrere Rollen mit jeweils eigenen Rechten ab. Auf Seiten des Betreibers reichen sie von der Administration über Service und Montage bis zum rein lesenden Zugriff; die Projektant:innen der Signalbaufirma legen die Rechner des Warnsystems an und geben Projekte entsprechend ihrer Berechtigungen frei. Das Rollenmodell musste damit nicht nur unterschiedliche Tätigkeiten abbilden, sondern auch unterschiedliche Organisationen innerhalb eines gemeinsamen fachlichen Prozesses.
Moderne Architektur, tief integriert
Technisch ist die neue Lösung eine Webanwendung, die containerisiert auf der Infrastruktur des Kunden läuft. Angemeldet wird per Single Sign-on über das zentrale Identity- und Accessmanagement des Betreibers – das gilt auch für den zugehörigen RFID-Client. Die Security-Anforderungen wurden systematisch über die ISO-27001-Prozesse von Evolit erhoben; Datenänderungen sind protokolliert und nachvollziehbar. Automatisierte Tests, statische Codeanalyse und Reviews mit Quality Gates sichern die Qualität während der Entwicklung.
Ergebnis: Alle Daten des Warnsystems in einer Webanwendung

Heute verwalten die Anwender:innen beider Organisationen die Daten des Warnsystems in einer zentralen Webanwendung – vom einzelnen Rechner über Projektierungsbereiche, Warnzonen und Warnsektoren bis zu Anschaltpunkten, Orientierungstafeln, Gleisabschnitten und Weichen. Die Lösung ist produktiv im Einsatz.
Versioniert und nachvollziehbar
Projekte werden durchgängig versioniert: Entwurfs- und Freigabestände sind klar getrennt, historische Stände bleiben erhalten. Welcher Datenstand wann gültig war, lässt sich jederzeit im System nachvollziehen – inklusive protokollierter Änderungen.
Schnittstellen statt Insellösung
Freigegebene Daten übergibt die Anwendung an das Geoinformationssystem des Betreibers. Der RFID-Client bezieht die Warnsektor-Daten über eine Schnittstelle und programmiert auf Basis freigegebener Projekte die RFID-Tags an Anschaltpunkten und Orientierungstafeln. Dazu kommen Excel-Vorlagen und -Exporte sowie der Import von Streckendaten.
Ein Baustein in einer Gesamtlösung
Änderungen am Warnsystem erfordern auch Modifikationen in den Stellwerken, die von Signalbaufirmen vorgenommen werden. Die Anwendung liefert dafür die verlässliche, freigegebene Datenbasis. Ihr Wert liegt darum weniger in bezifferbaren Einsparungen als in korrekten, konsistenten Daten für ein System, das Menschen schützt.
Ausblick: Weiterentwicklung im laufenden Betrieb
Die Anwendung wird laufend gepflegt und ausgebaut: Regelmäßige Releases bringen Verbesserungen in der Webanwendung und im RFID-Client. Die moderne Architektur und die klar definierten Schnittstellen sind darauf ausgelegt, künftige Anforderungen ohne neuerlichen Generationswechsel aufzunehmen. So bleibt eine über mehr als ein Jahrzehnt gewachsene Bahn-Fachanwendung langfristig weiterentwickelbar.
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